Dienstag, 30. September 2008

~ Hausehunting...

... oder vom Glück in New York eine Bleibe zu finden.

Wohnungssuche in New York ist ein hartes Brot. Ich hatte mich ja schon in Deutschland durch die verschiedensten einschlaegigen Webseiten gewuehlt, die zu einer Unterkunft verhelfen sollen. Die bekannsteste ist
http://www.craigslist.org/. Bei craigslist bekommt man nicht nur Wohnungen, hier gibt's auch Jobs, Hundesitter, Finanzberatung, Gitarrenunterricht, Partner fürs Leben, One-Night-Stands und was man noch so meint zu brauchen oder los werden zu muessen... und das weltweit.

Von der Vorstellung eine eigene Wohnung zu beziehen habe ich mich schnell verabschiedet und wenn man sich mal damit abgefunden hat, dass man fuer EIN ZIMMER in Manhattan so viel hinblaettern muss, wie zu Hause fuer ein Einfamilienhaus, dann sind die Angeboten zur Untermiete auf craigslist reichlich und sehen aus der Ferne auch ziemlich vielversprechend aus.

Da ich glücklicherweise fuer die ersten zwei Wochen erst mal eine Unterkunft hatte, habe ich mich entschieden vorsichtshalber keine Deals ueber den Teich zu machen und lieber vor Ort zu suchen. Hey, was fuer ein Abenteuer. Echt interessant was man da fuer Leute trifft und noch unglaublicher, was da fuer viel Geld angeboten wird.

Bereits in Deutschland hatte ich einige Termine vereinbart. Dementsprechend konnte ich gleich am Tag nach meiner Ankunft die ersten Unterkünfte besichtigen.

Unter Loftwohnung stellt man sich ja im Allgemeinen eine in eine Wohnung umfunktionierte Lager- oder Industriehalle vor oder einen ausgebauten Dachboden. Also etwas grösseres. Ich hätte bei der Anzeige "Loftbed" zu vermieten wohl etwas genauer hinlesen sollen. Der das inseriert hat war ein schmächtiges schwules Kerlchen mit noch schmächtigerem Rehpinscher- Hündchen namens "Fritz". Er hatte ein nettes One Bedroom Apartment in Soho. One bedroom heisst es gibt zumindest ein abgetrenntes Schlafzimmer vom Rest der Wohnung - sprich Küche und Bad. Sein Schlafzimmer war auch sehr schön und hell und plüschig. Dann gab es noch eine dunkle Küche, die zwar ein Fenster hatte, das aber vom Nachbarn zugebaut wurde - und irgendwo ein winziges Bad. Naja, das Loft hat sich dann als Hochbett über den Küchenschränken rausgestellt, das der Typ mir ganz stolz präsentierte. Ich hätte auch auf einer funkelnagelneuen Matratze schlafen können, vorausgesetzt ich würde mir nicht die Haxen brechen, bei dem Versuch die steile, wackelige Hühnerleiter hinaufzuklettern. Das ganze zu einem Preis von 1.500 $ im Monat. Ich hätte immerhin mindestens 50 cm Platz zwischen Matratze und Zimmerdecke gehabt.


So eine ähnlich Konstellation durfte ich dann nochmal in Greenwich Village besichtigen. Der Typ war ein Lebenskünstler, der sein Geld mit dem Verkauf von kunstvoll geschnitzten Spazierstöcken und Regenschirmen verdiente und nicht ganz so schwul war. Sein Rehpinscher war ein überfütterter Mops und hieß "Alfred". Der stank wie Hölle und hatte sein Körbchen am Fuße der Hühnerleiter. Immerhin meinte der Typ er würde sich sehr freuen, wenn ich einziehe und bot mir sogar noch einen Preisnachlaß von 200 $ an, den stinkenden Wachhund im Preis inbegriffen. Ich wollte mir das dann doch erst nochmal überlegen...

Es wundert mich aber schon, warum die ihren Tölen deutsche Namen geben.

Ein weiteres Loft konnte ich in TriBeCa besichtigen. In der Anzeige stand drin, daß es über 150 qm groß ist und Fenster hat. Wow! Dies war nun ein richtiges Loft in einem alten Fabrikgebäude. Alte breite knarrende Treppen führten in den 2. Stock. Wenn man durch die Wohnungstüre trat, stand man in einem großen Raum, ziemlich überladen mit altem Trödel, verschlissene Teppichen und Sesseln. Antikes Porzellan in den Regalen und ein Fundus von alten Klamotten im Luis XVI Stil auf zwei drei Kleiderständern und einigen Schaufensterpuppen. Das Mädel, das hier wohnte war aber eher ein Gruftie. Die sah ziemlich heiß aus in ihren schwarzen Klamotten - Minirock und Lackstiefel. Dazu rote Wallahaare. Leider war sie nicht sehr gesprächig und wenig kooperativ in Sachen Hausführung. Ich stand also in dem riesigen Zimmer wie bestellt und nicht abgeholt und hatte eigentlich erwartet, daß sie mir nun den Rest der Wohnung zeigt. Irgendwann hat sie dann auf eine Tür gezeigt. Ich nahm an, da wäre dann wohl mein Zimmer also bin ich reingegangen. Der Raum war auch wieder recht groß und der Boden total uneben. Es stand ein großes, altes Bett drin und muffige dunkle Kommoden. Mein erster Gedanke war, wieviele Leute hier wohl schon gesorben sind... und das Zimmer hatte ein Fenster. Doch leider hatte auch dieser Nachbar einfach sein Haus davor gesetzt. Das ist hier wohl normal, daß man einfach seine Fenster zugebaut bekommt. Keine Vorschriften von wegen Mindestabstand zum Nachbargrundstück.

Der Absolute Hammer dieser Wohnung war aber das Bad, das man durch die Küche (ohne Herd: "kochen is nich ..." - war wohl der längste Satz, den die Tussi mit mir geredet hat) erreichte. Es war fast so groß wie das Schlafzimmer und hatte mitten im Raum eine riesige runde pinkfarbene Badewanne auf einem Podest. Das Fenster an der Stirnseite war leider auch zugebaut. Dafür war der ganze Raum mit Lichterketten und sonstigen skurilen Lampen illuminiert.

Für jemanden der eine Vorliebe für altes Zeug hat oder gerne in einem Museum lebt bestimmt der Himmel auf Erden. Aber ich hätte hier nur schlaflose Nächte. Wer weiß, die Tussi nachts treibt...

Ein bisschen demotiviert und frustriert über das Preis - Leistungsverhältnis in Downtown Manhatten habe ich dann auf eine Anzeige in Harlem geantwortet. Harlem fängt oberhalber der Upper East Side an und soll ja auch im Zuge der Aufräumarbeiten der letzten Jahre längst nicht mehr so gefährlich sein.

Was ich dann zu sehen bekam war eine wunderschöne Wohnung in einem neuen Townhouse in der 118. Strasse. Endlich mal ein ordentliches gemütliches Zimmer, ein sauberes modernes Bad und eine voll eingerichtete Küche. Das Mädel, das hier ein Zimmer untervermietete hieß Taihisha Grant und hat sich als Nichte von Donna Summer entpuppt. Hey die Bilder an der Wand zeigten eindeutig sie und Donna unterm Weihnachtsbaum!!! Taihisha hat mich dann auch gleich bekocht und belabert. Sie singt auch neben ihrem normalen 9 to 5 Job und hat wohl schon einige CDs aufgenommen. Wen´s interessiert, der kann Taihisha auf facebook besuchen. http://de-de.facebook.com/people/Taihisha_Grant/587985698

Taihisha hat sich sehr bemüht und hätte sich sicher gefreut, wenn ich eingezogen wäre. Aber die Gegend war mir dann doch zu weit weg vom Schuß. Taihisha meinte zwar sie fühle sich sicher hier, nach 22 Uhr sollte man aber doch lieber ein Taxi nach Hause nehmen "... for your own safety..". Das ganze Taxigeld hätte die günstige Miete dann wieder wett gemacht. Und so ganz wohl war mir auch nicht bei dem Gedanken, daß Taihisha jeden Abend mit dem Essen auf mich wartet. Sie war doch etwas einnehmend.

Eine Wohnung konnte ich in Upper West Side besichtigen, einen Steinwurf weg vom Central Park entfernt. Das ist die Gegend mit den teuersten Wohnungen und der höhchsten Promidichte. Das Zimmer war dementsprechend teuer - 2.400 Dollar. Aber ich machte mir mittelerweile einen Spaß draus Wohnungen anzuschauen einfach weil ich neugierig war. Das Apartment war in der West 65. Straße. Ein schickes altes Doormen Building mit Türklinken aus Messing und verspiegelter Eingangshalle mit Marmor. Man muß sich immer an der Rezeption bei den Doormen anmelden, wenn man die Bewohner des Hauses besuchen möchte, ansonsten gibt es keinen Weg nach oben.

Das Apartment in dem das Zimmer zu vermieten war befand sich im 18. Stock. Dort wohnte eine Dame Mitte Ende 40, etwas korpulent aber in der Erscheinung business like und sehr gepflegt. Dementsprechend war auch die Wohnung. Wir haben uns erst mal im Wohnzimmer niedergelassen zum Tee aus verschnörkelten Tässchen. Die Einrichtung war recht schmörkelig und blumig. Es stand ganz schön viel Nippes rum. Aufgefallen sind mir die vielen Buddahs, die man so von Reisen mit nach Hause bringt. Sie saß da und hat mit einer Eintönigkeit und Bedächtigkeit auf mich eingeredet. Sie erzählte was von und Veränderung und Money is not life und Selbstfindung und Spiritualität. Ich kam mir vor wie Mogli vor der Schlange. Nach einer halben Stunde wurde es mir echt zu blöd und ich meinte ich hätte noch einen anderen Termin, ob ich noch das potentielle Zimmer sehen könnte. Sie zeigte mir den Rest der Wohnung - kleine Küche, kleines Bad und ihr Schlafzimmer, das wirklich sehr schön war. Es war ein Eckzimmer und hatte dementsprechend Fenster an zwei Seiten (diesmal nicht zugebaut). Vom Bett aus hatte man einen sehr schönen Blick auf den südlichen Central Park und die hohen Apartmenthäuser an South Central Park. Wirklich sehr beeindruckend. Hey aber wo ist mein Zimmer? Es hat sich dann herausgestellt, daß die verzweifelte Dame ihr Schlafzimmer für 2.400 $ vermietete, während sie sich im Wohnzimmer, das zudem noch ein Durchgangszimmer war, mit der Couch zufrieden gab. Financial Crisis lässt grüßen. Es passiert hier nicht selten, daß Leute von heute auf morgen keinen Job mehr haben und ihren Lebensstandard nicht mehr halten können.

Wenn man lange genug sucht, findet man auch in Downtown etwas dem Preis angemessenes. Ich hatte mir ein weiteres Zimmer im Financial District in einer Studenten WG angeschaut. Die Wohnung war echt klasse. Der erste Blick wenn man reinkam fiel auf die Küche mit Waschmaschine und Trockner. Apartments mit Waschmaschinen sind selten. Oft erlauben die Vermieter keine Waschmaschinen, weil sie Wasserschäden fürchten. Das erklärt auch warum es so viele Reinigungen und Waschsalons gibt - an jedem Block mindestens 5. Das "Gemeinschaftszimmer" war riesig und zwei Stockwerke hoch. Die Zimmer waren im hinteren Teil der Wohnung über zwei Stockwerke verteilt. Die Jungs die drin lebten waren auch ziemlich nett. Da ich aber nur für 2 1/2 Monate einziehen wollte war ich gleich disqualifiziert. Nach neuen Roommates suchen ist auch für die Bewohner ein ziemlicher Akt. Also suchen sie jemanden, der mindestens für 6 bis 12 Monate bleibt.

Dieses Los ereilte mich noch bei zwei anderen Wohnungen die ich angeschaut hatte. Aber schließlich habe ich dann doch noch ein zu Hause gefunden. Mein Zimmer ist bestimmt nicht das schickste und Bad und Küche nicht die modernsten. Aber ich wohne in einem super Loft in Lower East und habe viel Spaß mit meinen Roommates. Caitlin und Gerry - zwei wirklich liebe Menschen, deren Spiritualität und Durchgeknalltheit sich für New Yorker Verhältnisse in Grenzen hält. Es ist immer jemand da für einen kleinen Plausch. Manchmal wird auch zusammen gekocht oder um die Häuser gezogen. Und wir können bis in die Puppen zusammen pokern.

Ich muß sagen, nachdem was ich so bei meiner Wohnungssuche gesehen und erlebt habe, daß ich mich verdammt glücklich schätzen kann!!! In dieser Stadt lernt man Demut und Dankbarkeit.

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